Politik & Arbeitsrecht
Weniger Kündigungsschutz für Hochverdiener: Was sich für Trennungsmanagement ändert
Union und SPD haben sich im Koalitionsausschuss Anfang Juli 2026 auf ein Reformpaket geeinigt, das unter anderem den Kündigungsschutz für Hochverdiener lockert. Für Unternehmen, die viel mit Fach- und Führungskräften in genau diesem Gehaltssegment arbeiten, ist das mehr als eine juristische Randnotiz.
Was sich konkret ändert
- Wer betroffen ist: Beschäftigte mit einem Jahresbruttogehalt oberhalb des 1,75-Fachen der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung – aktuell rund 177.450 Euro im Jahr.
- Was sich ändert: Aus Bestandsschutz (Anspruch auf Weiterbeschäftigung bei unwirksamer Kündigung) wird Abfindungsschutz – eine Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegen Abfindung wird einfacher möglich, angelehnt an die bestehende „Risikoträger“-Regelung im Finanzsektor.
- Ab wann: Zum 1. Januar 2027 geplant, nach bisherigem Stand nur für neu abgeschlossene Arbeitsverträge.
Rechtssicherheit ist nicht gleich Kommunikationssicherheit
Der bisherige Kündigungsschutz hatte neben seiner rechtlichen Funktion auch eine praktische: Er zwang Unternehmen, Trennungen von Führungs- und Fachkräften gut vorzubereiten, weil eine unwirksame Kündigung teuer und langwierig werden konnte. Diese eingebaute Bremse fällt für Hochverdiener künftig weitgehend weg.
Das bedeutet aber nicht, dass eine schnellere rechtliche Trennung auch eine gute Trennung ist. Im Gegenteil: Wenn der rechtliche Druck zur sorgfältigen Vorbereitung sinkt, wächst das Risiko, dass Trennungen überstürzt und schlecht kommuniziert werden – mit den bekannten Folgen für Arbeitgebermarke, Teamklima und die psychische Verfassung der Betroffenen.
Was das für Unternehmen bedeutet
- Eine rechtlich einfachere Trennung ersetzt keine gute Vorbereitung der Führungskräfte, die das Gespräch führen.
- Gerade bei Hochverdiener-Positionen (oft Führungskräfte, Spezialist:innen) ist die Sichtbarkeit im Netzwerk hoch – schlechte Trennungen sprechen sich in diesem Segment besonders schnell herum.
- Wer die neue Flexibilität nutzt, ohne den Prozess professionell zu begleiten, verlagert das Risiko von der Rechtsabteilung auf die Arbeitgebermarke.
Weniger Kündigungsschutz heißt nicht weniger Verantwortung.
Hinweis: Dieser Beitrag ordnet die Reform aus Sicht von Trennungsmanagement und Kommunikation ein und ersetzt keine Rechtsberatung. Für die arbeitsrechtliche Bewertung im Einzelfall arbeite ich mit meiner Kooperationspartnerin Julia Louisa Bunzel, Fachanwältin für Arbeitsrecht, zusammen.
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